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Papstname
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Der Papstname wird von einem neu gewĂ€hlten Papst anstelle seines Taufnamens angenommen und verbleibt ihm, wie im Fall des Papstes Benedikt XVI., auch nach einem Amtsverzicht. Seinen Namenstag begeht der Papst hingegen nach wie vor nach seinem Taufnamen. Der Papstname wird der in Rom versammelten Menge am Ende eines Konklaves vom Kardinalprotodiakon auf Lateinisch verkĂŒndet:
âAnnuntio vobis gaudium magnum: Habemus Papam! Eminentissimum ac Reverendissimum Dominum, Dominum N. N., Sanctae Romanae Ecclesiae Cardinalem N. N., qui sibi nomen imposuit N. N.â
âIch verkĂŒnde euch eine groĂe Freude: Wir haben einen Papst! Seine Eminenz den HochwĂŒrdigsten Herrn, Herrn [Taufname des GewĂ€hlten], der Heiligen Römischen Kirche Kardinal, [Familienname des GewĂ€hlten], welcher sich den Namen [Papstname] gegeben hat.âcite-ref-1[1]
Sollte ein Angehöriger einer der unierten Ostkirchen zum Papst gewĂ€hlt worden sein, entfĂ€llt das Wort âRomanaeâ. Ist der GewĂ€hlte nicht im Kardinalsrang, entfĂ€llt der entsprechende Passus.
Die Tradition, bei der Wahl zum Papst einen neuen Namen anzunehmen, reicht zwar nicht bis zu den UrsprĂŒngen des Papstamtes zurĂŒck, aber durch Abstimmung der Namen der modernen PĂ€pste mit denen des Altertums und durch eine einheitliche Nomenklatur von den AnfĂ€ngen bis heute trĂ€gt er auf seine Art zum Fortbestand dieser Institution bei.
Contents
âą Geschichte
âą Die Pietas
âą Der Name Pius
âą Ursprung
âą Siehe auch
âą Bibliographie
âą Einzelnachweise
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Formen und Varianten von Papstnamen
Wie andere Rufnamen unterscheiden sich auch die Papstnamen in verschiedenen Sprachen. FĂŒr gewöhnlich werden die Namen in die jeweilige einheimische Sprache âĂŒbersetztâ, sofern es in ihr ein Ăquivalent fĂŒr sie gibt. Deshalb wird ein Papst, der auf Latein Ioannes und auf Griechisch ÎÏÎŹÎœÎœÎ·Ï (IoĂĄnnis) heiĂt, auf Französisch Jean, auf Englisch John, auf Italienisch Giovanni, auf Spanisch Juan, auf Ungarisch JĂĄnos und auf Deutsch Johannes genannt. Sofern nicht speziell angemerkt, sind die in diesem Artikel verwendeten Papstnamen die deutschsprachigen. FĂŒr den 2013 gewĂ€hlten Papst setzte sich im Deutschen sofort Franziskus durch, wohl weil damit der Verweis auf Franz von Assisi am deutlichsten âĂŒbersetztâ wird. PĂ€pste mit dem Namen Johannes wurden im Deutschen gleichfalls nie nur âJohannâ genannt, wĂ€hrend âPaulâ als Ăbersetzung fĂŒr lat. Paulus (eigentlich: âder Kleineâ) auch fĂŒr den Papstnamen ĂŒblich war.
Namen und Sprachen
Nicht jede âĂbersetzungâ â meist eine im Laufe der Jahrhunderte erfolgte Umformung oder phonetische und grammatikalische Anpassung â ist möglich oder notwendig. Einige seltene Namen behalten ihre lateinische oder griechische Form, weil es kein deutsches Ăquivalent gibt (Hormisdas, Sisinnius); andere lateinische Namen sind unverĂ€ndert auch auf Deutsch gĂ€ngig, beispielsweise wenn der jeweilige Name im Deutschen als âsĂ€kularerâ Vorname ĂŒblich ist (Pius, Leo).
In nicht-katholischen LĂ€ndern und Kulturen werden Papstnamen hĂ€ufig anderen Sprachen entliehen. Auf TĂŒrkisch ist es ĂŒblich, PĂ€pste mit ihrem französischen Namen mit vorangestellter Nummer zu bezeichnen. Johannes Paul II. und Benedikt XVI. heiĂen darum im Allgemeinen ikinci Jean Paul und onaltıncı Benoit. Mit zunehmender Verbreitung des Englischen findet man jedoch immer öfter die Formen ikinci John Paul bzw. onaltıncı Benedict. Man findet sogar die lateinischen oder italienischen Namen. DarĂŒber hinaus wird bei diesen Formen manchmal die Rechtschreibung der Herkunftssprache beibehalten, manchmal der Name phonetisch geschrieben (Jan Pol).
Die kulturelle und sprachliche Dominanz eines Staates ĂŒber einen anderen hat starken Einfluss auf die Namensgebung im dominierten Land, auch im Hinblick auf Papstnamen. Auf Aserbaidschanisch, einer dem TĂŒrkischen sehr nahen Sprache, benutzt man die russischen Papstnamen, weswegen Johannes Paul II. ikinci Ioann Pavel â auf Russisch ĐĐŸĐ°ĐœĐœ ĐаĐČДл ĐČŃĐŸŃĐŸĐč (Ioann Pawel wtoroj) â genannt wurde. Auf Tagalog, der Amtssprache der Philippinen, werden die spanischen Papstnamen verwendet. In den protestantisch geprĂ€gten LĂ€ndern Nordeuropas werden am hĂ€ufigsten die lateinischen Papstnamen verwendet, auch wenn in der jeweiligen Sprache ein Ăquivalent existiert. Ausnahmen werden aber fĂŒr die gĂ€ngigsten Vornamen (Paul, Alexander) gemacht, und bei anderen kann die Orthographie der der Landessprache angepasst werden (zum Beispiel durch Ersatz von c durch k). Im Gegensatz dazu haben Sprachen in orthodoxen LĂ€ndern Entsprechungen fĂŒr die Heiligennamen der frĂŒhen christlichen Kirche und können darum die Mehrzahl der Papstnamen ĂŒbersetzen.
Zudem ist das Christentum in einigen arabischen LĂ€ndern seit langem ansĂ€ssig, sodass es fĂŒr katholische Heilige und damit auch fĂŒr PĂ€pste Namen auf Arabisch gibt. Diese Namen weichen zum Teil von ihrem strengen Ăquivalent aus der muslimischen Tradition ab: Johannes wird als ÙÙŰÙÙۧ / YƫងannÄ wiedergegeben, wenn ein katholischer Papst gemeint ist, aber als ÙŰÙÛ / Yaáž„yÄ, wenn Moslems den Propheten Johannes den TĂ€ufer meinen.
Vieldeutigkeit bestimmter Namen
Selbst in den âoffiziellenâ, lateinischen PĂ€pstelisten kann es vorkommen, dass verschiedene Namen, die aber Ă€hnlich klingen oder eine Ă€hnliche Bedeutung haben, im Nachhinein durcheinandergebracht wurden. Zum Beispiel trugen wohl die ersten drei PĂ€pste der Antike namens Sixtus den griechischen Namen Xystos (der GeglĂ€ttete) oder den römischen Vornamen Sextus (der Sechste). Die beiden Namen wurden zu einem einzigen Namen Sixtus (latinisiert-griechisch manchmal auch Xystus) vermischt, der dann in der Renaissance von zwei weiteren PĂ€psten aufgegriffen wurde.
Die gleiche Vermischung ist aus lautlichen GrĂŒnden Marinus oder Martin widerfahren (siehe unten). Diese Verwirrung wird jedoch heute als Fehler erkannt, und die beiden Namen werden als verschieden angesehen.
Zwischen 615 und 618 regierte ein Papst mit dem lateinischen Namen Deusdedit, wörtlich âGott gabâ. Von 672 bis 676 regierte ein anderer Papst, dessen lateinischer Name Adeodatus (âvon Gott gegebenâ) praktisch dieselbe Bedeutung hat. Es ist ĂŒblich geworden, die beiden Namen als Varianten ein und desselben anzusehen und die beiden PĂ€pste in Listen auf Latein als Adeodatus primus und Adeodatus secundus zu fĂŒhren.
Auf den Fall des dritten Papstes, der je nach Quelle Kletus oder Anaklet genannt wird, wird im Artikel Anaklet eingegangen.
Geschichte
Namen der ersten PĂ€pste
Die bekannten Daten zu den frĂŒhesten Bischöfen von Rom beschrĂ€nkten sich oft auf ihren Namen.
Nach dem Evangelium nach MatthĂ€us hieĂ der Apostel Petrus Simon, bevor ihm Christus durch einen Ausspruch, der nach katholischem VerstĂ€ndnis das Papstamt insgesamt mit Simon als erstem Inhaber begrĂŒndet, den Beinamen Petrus verlieh:
âTu es Petrus, et super hanc petram aedificabo Ecclesiam meamâ
âDu bist Petrus, und auf diesen Felsen will ich meine Kirche bauenâ
â
(
Mt
16,18 )
Von Petrusâ unmittelbaren Nachfolgern ist wenig bekannt. In den spĂ€ter harmonisierten Listen der ersten âPĂ€psteâ gibt es zahlreiche Unklarheiten, insbesondere was ihre Regierungszeiten betrifft. Von Historikern wird allgemein angenommen, dass ihre Namen korrekt ĂŒberliefert sind, ihre Amtszeiten und Funktionen sind dagegen meistenteils ungeklĂ€rt. Die Person Anaklets, der auch Kletus genannt wird, wurde aufgrund von MissverstĂ€ndnissen in der Ăberlieferung unhistorisch verdoppelt.
Die frĂŒhen Gemeindevorsteher Roms dĂŒrften jĂŒdischer Herkunft gewesen sein und Griechisch gesprochen haben. Erst im 3. Jahrhundert rekrutierte sich die FĂŒhrungsschicht der römischen Gemeinde immer stĂ€rker aus Lateinisch sprechenden Christen. Die Namen der AmtstrĂ€ger sind fast durchgĂ€ngig lateinisch oder griechisch ĂŒberliefert. Die lateinischen Namen können praenomina, nomina oder cognomina, also Vornamen, Familiennamen oder Beinamen sein.
Nur zwei Papstnamen sind hebrĂ€ischer Herkunft. Sie entstammen direkt dem Neuen Testament und tauchen in der SpĂ€tantike auf, als sich das Christentum bereits lange vom Judentum getrennt hatte. Diese Namen sind Johannes (im Jahre 523, nach Johannes dem TĂ€ufer) und Zacharias (im Jahre 741, nach Zacharias, Johannesâ Vater). SchlieĂlich scheint ein Papst einen germanischen Namen getragen zu haben, nĂ€mlich Lando. Er war (vor Johannes Paul I. 1978 und Franziskus 2013) der letzte Papst, der einen neuen Namen trug. Nach ihm fĂŒhrten alle neugewĂ€hlten PĂ€pste Namen, die mindestens ein VorgĂ€nger schon getragen hatte, und bald bildete sich die Gewohnheit systematischer NamensĂ€nderung heraus.
Ursprung der NamensÀnderung der PÀpste
Der erste beurkundete Fall einer NamensÀnderung eines Mannes, der zum Papst gewÀhlt wurde, ist der eines Mercurius im Jahre 533. Da er nicht den Namen einer heidnischen Gottheit tragen wollte, nannte er sich Johannes II. Das wiederholte sich, wenn ein Mann mit dem Namen eines heidnischen Gottes oder Kaisers gewÀhlt wurde; 955 bestieg ein Octavian daher den pÀpstlichen Thron als Johannes XII.
Im Jahre 983 wurde Petrus Canepanova als Johannes XIV. Papst. Er wollte einen zweiten âPapst Petrusâ nach dem ersten Papst und Apostel Petrus vermeiden. Durch spĂ€tere Fehlinterpretation seiner âaktivenâ Herrschaft und seiner Haftzeit als zwei Pontifikate unterschiedlicher Personen entstand ĂŒbrigens eine Verwirrung bei der ZĂ€hlung der PĂ€pste seines Namens. Daher wurde der Name von Johannes XXI. nicht als XX. gezĂ€hlt, zwecks Korrektur des vermeintlichen Fehlers. Die anderen TrĂ€ger des Namens Peter oder einer Variante, die Papst wurden, Ă€nderten ihren Namen aus demselben Grund wie Johannes XIV.
Mit Bruno von KÀrnten wurde 996 der erste Deutsche zum Papst gewÀhlt. Ihm folgte 999 der erste französische Papst, Gerbert von Aurillac. Beide trugen germanische Vornamen, die der pÀpstlichen Tradition fremd waren (obwohl ein VorgÀnger, Lando, trotz seiner italienischen Herkunft einen germanischen oder langobardischen Papstnamen getragen hatte). Sie Ànderten ihre Namen darum und wurden zu Gregor V. bzw. Silvester II. Zu dieser Zeit waren germanische Vornamen bereits weit verbreitet, nicht nur in germanischen LÀndern. Von nun an Ànderten alle TrÀger eines germanischen Namens diesen, wenn sie Papst wurden. Die einzigen Ausnahmen machten zwei GegenpÀpste des 11. Jahrhunderts, die ihre germanischen Namen beibehielten: Theoderich und Albert. (Einzig bei Gegenpapst Gregor VI. ist der wirkliche Name unklar, möglicherweise hat auch er seinen Namen nicht geÀndert.)
Aus all diesen GrĂŒnden beschĂ€ftigte die Notwendigkeit einer NamensĂ€nderung bereits die Mehrzahl der PĂ€pste zum Ende des 10. Jahrhunderts, aber der Brauch etablierte sich fĂŒr fast alle PĂ€pste unabhĂ€ngig von ihren Taufnamen. Er erhielt eine symbolische Bedeutung: Der neue Papst war nicht mehr derselbe Mann wie vor seiner Wahl, und darum sollte auch sein Name nicht mehr derselbe sein. Dies gab der ErwĂ€hlung zum Papstamt eine besondere Wichtigkeit, wenngleich sie nie als Sakrament wie die Priester- oder Bischofsweihe anerkannt wurde.
Etwa bis zum Ende des 12. Jahrhunderts wurde man nicht, wie heute, eindeutig im Augenblick der Annahme der Wahl zum Papst, sondern zumindest formell erst durch die Inthronisation und erforderlichenfalls die Bischofsweihe. Dies war aus mehreren GrĂŒnden erforderlich. Insbesondere war oft die Zustimmung des Kaisers abzuwarten opportun (wenn auch nicht zwingend). Viele GewĂ€hlte waren darĂŒber hinaus keine Bischöfe, zum Teil nicht einmal Priester, und mussten darum erst geweiht werden, bevor sie das Amt vollwirksam ausĂŒben konnten. (Das schreibt das Kirchenrecht auch heute vor.) Gregor VII., gewĂ€hlt 1073, bestand noch darauf, dass erst die Inthronisation einen Mann vollgĂŒltig zum Papst mache, die Annahme der Wahl begrĂŒndet sozusagen nur den Anspruch auf das Amt. Aufgrund der oft chaotischen politischen Lage lag bei vielen PĂ€psten eine lĂ€ngere Zeitspanne, bis zu mehr als einem Jahr, zwischen Wahl und Inthronisation. Bischof Wibert von Ravenna, vom Kaiser 1080 zum Papst ernannt (und heute als Gegenpapst angesehen), konnte erst 1084 in Rom inthronisiert werden. In den dazwischenliegenden vier Jahren betrachtete er sich nur als âgewĂ€hlter Papstâ und nicht als amtierender. Er gab sich seinen Papstnamen Clemens III. erst bei seiner AmtseinfĂŒhrung. Man kann daher spekulieren, dass seine unmittelbaren Nachfolger Theoderich und Albert ihre Namen deshalb nicht Ă€nderten, weil sie gar nicht inthronisiert wurden, oder dass ihre mögliche heimliche Inthronisation keine geschichtlichen Spuren wenigstens eines Papstnamens hinterlassen hat.
Seit 996 behielten nur zwei PĂ€pste ihren Taufnamen bei: Adriaan Florisz Boeyens wurde im Jahre 1522 Hadrian VI., und Marcello Cervini bestieg im Jahre 1555 den Papstthron als Marcellus II. Giuliano della Rovere wollte 1503 wahrscheinlich seinen Namen behalten, aber es gab keinen VorgĂ€nger namens Julian, sodass er sich mit dem Namen Julius, der schon einmal getragen worden war, sozusagen begnĂŒgte und zu Julius II. wurde. TatsĂ€chlich wĂ€hlte seit Lando 913 erst Franziskus 2013 wieder einen gĂ€nzlich neuen Papstnamen. Zu Landos Zeit war das Papstamt von einigen römischen Familien, unter anderem den Tuskulanern, in Beschlag genommen, und die Namen, die dabei aufkamen, zeigten wenig Abwechslung. Als bald darauf die NamensĂ€nderung Gewohnheit wurde, achteten alle PĂ€pste (abgesehen von Johannes Paul I. 1978, der zwei VorgĂ€ngernamen kombinierte, s. u.) den Grundsatz, nur bereits vorher getragene Namen zu wĂ€hlen.
Bedeutung der Papstnamen
Der Name, den ein neuer Papst sich gibt, kann viele Bedeutungen haben, und bei etlichen ist der Grund ihrer Wahl unbekannt. âProgrammatischâ klingen die lateinischen Namen Innozenz (innocentia = Unschuld) und Clemens (clementia = Milde), bei denen es aber auch frĂŒhrömische VorgĂ€nger gibt, Ă€hnlich bei Pius (= der Fromme). Benedictus ist lateinisch fĂŒr âder Gesegneteâ, Bonifatius fĂŒr âWohltĂ€terâ. Der neue Papst kann seinen Namen auch zu Ehren eines speziellen Heiligen annehmen. Die am hĂ€ufigsten vorkommenden Heiligennamen als Papstnamen sind Johannes der TĂ€ufer (ca. 23-mal) und Paulus (bisher 6-mal); weitere âgroĂeâ Heilige sind z. B. Stephanus, Nikolaus oder Martin. Eine Wahl kann zu Ehren eines Verwandten erfolgen oder an eine Kirche, in der der neue Papst gewaltet hat, oder an mehrere andere Personen mit dem gleichen Namen erinnern. Als Gerbert von Aurillac im Jahre 999 Papst wurde, wĂ€hlte er den Namen Silvester II. in Erinnerung an Silvester I., der Papst unter Konstantin dem GroĂen gewesen war, als das Christentum römische Staatsreligion wurde.
Zahlreiche PĂ€pste wĂ€hlten ihre Namen als Reverenz an einen weit zurĂŒckliegenden und ruhmvollen statt an einen nĂ€heren VorgĂ€nger â besonders hĂ€ufig sind hier Gregor der GroĂe (16-mal) bzw. Leo der GroĂe (14-mal). Dies geschah bisweilen, um dem Papstamt nach den Verfehlungen der jĂŒngeren Vergangenheit neuen Glanz zu geben. Insbesondere folgte auf die Zeit der groĂen Dekadenz des Papsttums vom 10. Jahrhundert bis in die erste HĂ€lfte des 11. Jahrhunderts, in der die hĂ€ufigsten Namen Johannes, Benedikt, Leo und Stephan gewesen waren, die Periode der sogenannten Gregorianischen Reformen, benannt nach Gregor VII., obwohl sie partiell schon vor seiner Herrschaft begann. Als Reaktion auf die PĂ€pste der jĂŒngeren Vergangenheit wurden zahlreiche sehr alte Papstnamen wiederbelebt. Die Liste der PĂ€pste von 1046 bis 1145 zeigt eine groĂe Zahl von Namen mit Ordnungszahl II (14 von 18 PĂ€psten). Diese Vornamen (und Gregor) wurden danach wiederum wiederverwendet, woraus eine neue Serie mit der Ordnungszahl III herrĂŒhrt (1145 bis 1227 mit 8 von 11 PĂ€psten). Ebenso gibt es noch eine Reihe mit IV (1241 bis 1292 mit 8 von 13 PĂ€psten), bevor sich das System in der V. Generation (bis etwa 1455) aufspaltet. Die Schande der theophylaktischen Epoche war vergessen, und die âbeflecktenâ Namen Johannes und Benedikt kamen wieder in Mode. Der Name âLeoâ hingegen musste noch mehrfach Jahrhunderte bis zu seiner Wiederbelebung warten (vgl. Hl. Leo IX., Leo X., Leo XII.; alle knĂŒpften wohl an Leo I. den GroĂen an). âStephanâ wurde seit dem IX. (X.) 1058, der Deutscher war, ĂŒberhaupt nicht wiederverwendet, möglicherweise auch aufgrund der Nummerierungsschwierigkeiten, die mit diesem Namen verbunden wĂ€ren.
WĂ€hrend des GroĂen Schismas nahmen die PĂ€pste von Rom, Avignon und Pisa deutlich voneinander verschiedene Namen an. Nach der Wiederherstellung des einheitlichen Papsttums schlossen die PĂ€pste zunĂ€chst die Namen der drei alten Gefolgschaften aus und lieĂen stattdessen auĂer Gebrauch gekommene Namen wieder aufleben. Der erste von ihnen nannte sich nach dem heiligen Martin von Tours, da am Tag seiner Papstwahl das Fest des Hl. Martin war (Namenstag 11. November), also Papst Martin V., ohne RĂŒcksicht auf die ZĂ€hlfehler bei diesem Namen. In der Epoche des Humanismus und der FrĂŒhrenaissance fĂ€llt auf, dass persönliche Motive bei der Namenswahl auftreten. Bei dem Spanier Kalixt III. ist die âobjektiveâ Bedeutung besonders unklar, ob er sich also auf den ersten VorgĂ€nger Callistus bezog oder die griech. Wortbedeutung (âder Schönsteâ) oder etwa âlautmalerischâ auf den Santo CĂĄliz von Valencia, der in seiner Heimat als Heiliger Gral verehrt wird. Papst Nikolaus V. wĂ€hlte seinen Namen in dankbarer Erinnerung an seinen ehemaligen Herrn und WohltĂ€ter, den Sel. KartĂ€user und Kardinal NiccolĂČ Albergati; Sixtus IV., weil der Beginn des Konklaves, in welchem er gewĂ€hlt worden war, damals mit dem Fest des heiligen Papstes Sixtus II. zusammenfiel (6. August); Pius IV., wohl weil er zu sein wĂŒnschte, was der Name besagt; Sixtus V., um das Andenken des Sixtus IV., der wie er dem Franziskanerorden angehört hatte, zu erneuern. Pius IX. nannte sich nach Pius VIII., weil dieser, wie er seinerzeit, Bischof von Imola gewesen war. Dagegen erklĂ€rte der im Jahre 1590 erhobene Kardinal Castagna, er wolle einen alten Papstnamen tragen, und nannte sich Urban VII. (schon Urban I. war gebĂŒrtiger Römer wie er), ein Name, der seit ĂŒber 200 Jahren nicht mehr vorgekommen war, dann aber, bis heute letztmals, von Urban VIII. aufgegriffen wurde.cite-ref-2[2]
In der Zeit der Renaissance waren zahlreiche verschiedene Namen in Gebrauch, einige damals gĂ€ngig, andere alt und ansonsten nicht mehr in Verwendung, mit der einzigen EinschrĂ€nkung, dass der Name mindestens einmal vorher benutzt worden war. Neben der Beibehaltung des Taufnamens (Hadrian VI., Marcellus II. und mit einer kleinen Ănderung Julius II.) wurde auch ein in der Familie geschĂ€tzter Name zum Papstnamen: Kardinal Enea Silvio Piccolomini wurde Pius II. in Anlehnung an den âfrommen Aeneasâ von Vergil. Rodrigo Borgia nannte sich Alexander VI. in erklĂ€rter Verehrung Alexanders des GroĂen. Die Renaissance erlaubte somit Bezugnahmen auf antike Heiden. Alexander VII. bezog sich allerdings auf Alexander III., der auch aus Siena kam, so wie Benedikt XV. an Benedikt XIV. erinnerte, der gleichfalls Erzbischof von Bologna war. Innozenz VIII. erinnerte an Innozenz IV., der gleichfalls aus Genua kam. Einige PĂ€pste nahmen den Namen eines VorgĂ€ngers aus ihrer Familie an. Pius III. war der Neffe Piusâ II., Honorius IV. ein GroĂneffe von Honorius III. und Leo XI. ebenfalls GroĂneffe von Leo X.; Innozenz XIII. stammte aus der uralten Adelsfamilie, der schon unter anderem Innozenz III. entsprang. Julius III. ehrte Julius II. als Förderer seiner Familie, so auch Paul V. den frĂŒheren Förderer der Borghese, Paul III.
Generell unĂŒblich ist es, den Namen eines der zwölf Apostel als Papstname zu wĂ€hlen, speziell nicht Petrus, oder den eines Evangelisten. (Eine Ausnahme war nur der kurz regierende Papst Marcus, der diesen Namen bereits vor seiner Wahl trug.) UnĂŒblich ist auch der Name des hl. Joseph, des NĂ€hrvaters Jesu und Patrons der Kirche.
Die Pietas
Der hĂ€ufigste Patron eines Papstnamens ist jedoch ein VorgĂ€nger in jĂŒngerer Vergangenheit, dem der neugewĂ€hlte Papst aus persönlichen GrĂŒnden Dankbarkeit erweisen will. Diese Sitte nennt man Pietas nach dem lateinischen Wort fĂŒr âFrömmigkeitâ.
Die neu gewĂ€hlten PĂ€pste wĂ€hlten in der frĂŒhen Neuzeit immer hĂ€ufiger den Namen desjenigen, der sie zum Kardinal ernannt hatte oder dank dessen sie in der Hierarchie aufgestiegen waren. So bezieht sich Paul IV. auf Paul III.; ebenso war Clemens XIV. Ganganelli von Clemens XIII. Rezzonico zum Kardinal ernannt worden, dieser wiederum von Clemens XII. Corsini, und dieser von Clemens XI. Albani. Der Römer Clemens X. Altieri war ebenfalls von seinem VorgĂ€nger Clemens IX. Rospigliosi in den Kardinalsstand erhoben worden, wie auch Benedikt XIV. von Benedikt XIII. und Innozenz XII. von Innozenz XI. und dieser von Innozenz X. zum Kardinal erhoben worden war. Bei den Clemens-PĂ€psten wurde aber auch viermal nachweislich ein Programm der Milde (= clementia) mit der Namenswahl verknĂŒpft, so bei Clemens VII. de Medici, Clemens VIII. Aldobrandini, Clemens IX. und Clemens XI. (bei letzterem auch der Tagesheilige, wie etwa auch bei Martin V. und Sixtus IV.).
Gregor XVI. Capellari bezog sich auf Gregor XV. Ludovisi, den BegrĂŒnder der Propaganda Fide, der Kardinal Capellari vor seiner Wahl zum Papst vorstand. Gregor XV. wiederum erinnerte an Gregor XIII. Buoncompagni, seinen Landsmann und frĂŒhen Förderer. Gregor XIII. nahm aber Bezug auf den Hl. Gregor I., an dessen Festtag er zum Kardinal erhoben worden war. Der Dominikaner Benedikt XIII. bezog sich auf den Dominikanerpapst Benedikt XI.
Andere Formen der Hommage sind subtiler. Bei Eugen III., SchĂŒler des Bernhard von Clairvaux, vermutet man eine (typisch mittelalterlich-âvolksetymologischeâ) Anspielung auf âEvangeliumâ, bei Eugen IV. auf die âWohlgeburtâ als Neffe Gregors XII. Einige PĂ€pste ehrten das Andenken eines VorgĂ€ngers, der ihrer Familie geholfen oder dessen Familie die eigene Wahl ermöglicht hatte. Alexander VIII. wurde dank des Einflusses von Kardinal Flavio Chigi Papst, der ein Neffe von Alexander VII. war. (Die beiden Alexander waren darĂŒber hinaus am gleichen Tag zum Kardinal ernannt worden.) Dieses System fĂŒhrte ab dem 16. Jahrhundert zu einer Verarmung an unterschiedlichen Papstnamen. Die 14 PĂ€pste zwischen 1644 und 1774 trugen daher nur noch vier verschiedene Namen, bevor Pius VI. diese Tradition aufbrach und die âPius-Traditionâ eröffnete.
Der wohl erste aktenkundige Fall einer Namenswahl in Verehrung des gleichnamigen VorgĂ€ngers ist vom sel. Viktor III. OSB belegt: Er nannte sich nach Viktor II., dem letzten von Kaiser Heinrich III. als ârömischer Schirmherrâ erwĂ€hlten Papst, um damit ein Zeichen der Aussöhnung zu setzen.
Der Name Pius
Pius I.
Ăber den ersten Papst namens Pius ist fast nichts bekannt, auĂer seiner etwa fĂŒnfzehnjĂ€hrigen Amtszeit zwischen 140 und 155 im damals noch heidnischen Rom. Wie alle PĂ€pste dieser Zeit gilt er als Heiliger und MĂ€rtyrer. Der Grund fĂŒr den Erfolg des Namens Pius bei den modernen PĂ€psten ist also nicht der erste TrĂ€ger des Namens, anders als bei Gregor dem GroĂen oder Leo dem GroĂen. Der Name Pius versank in Vergessenheit und wurde auch von den PĂ€psten zur Zeit der gregorianischen Reformen, die zahlreiche andere alte Namen wiederbelebten, ĂŒbersehen.
Pius II.
Im Jahre 1458 wurde Enea Silvio deâ Piccolomini, ein Kirchenmann, Schriftsteller und Gelehrter, zum Papst gewĂ€hlt. Es zeugt vielleicht von Humor, dass er den Namen Pius II. wĂ€hlte. Piccolomini war bereits das Diminutiv von piccolo (italienisch fĂŒr âkleinâ), und Pius (italienisch: Pio) kann als Diminutiv des Diminutivs gesehen werden. Eine andere Theorie geht davon aus, dass der Name eine Anspielung auf Vergils âpio Eneaâ (frommen Ăneas) ist.
Pius III.
Der Sohn der Schwester von Pius II. wurde 1503 Papst. Er verdankte seinem Onkel vom Familiennamen, den er nicht von Geburt an trug, bis zum Wappen und zum Kardinalshut alles. Er nannte sich daher Pius III., starb aber schon 26 Tage nach der Wahl.
Pius IV.
Die Namenswahl Piusâ IV., des nicht mit der florentinischen Dynastie verwandten, 1559 gewĂ€hlten Giovanni Medici, ist schwieriger nachzuvollziehen. Möglicherweise wollte er einen Namen tragen, der sich gegen den seines rigorosen VorgĂ€ngers Paul IV. richtete, dessen kriminelle Neffen er verurteilen und hinrichten lieĂ. Zu dieser Zeit ist eine parallele Verwendung der Namen Pius und Paul zu beobachten. Es ist denkbar, dass der Name Pius, auf Italienisch Pio, als Alternative zum tabuierten Namen Peter, Pietro [= PiâŠo], galt. Die Apostel Petrus und Paulus gelten als BegrĂŒnder des Christentums in Rom und des Papsttums. Es ist mithin wahrscheinlich, dass Pius IV. direkt auf Petrus beziehen wollte; auch sein Nachfolger und dann wieder Pius VI. handelten so. Der Name war damit zum âReformprogrammâ geworden.
Pius V.
Der unmittelbare Nachfolger Piusâ IV., Michele Ghislieri, nahm bei seiner Wahl 1566 den Namen Pius V. an. Dies scheint ĂŒberraschend, da er ein GĂŒnstling der Familie Pauls IV. war und das Pontifikat Piusâ IV. entehrt ĂŒberstehen musste. Jedoch ermöglichte ihm ein Neffe Piusâ IV., der heilige Karl BorromĂ€us, die Wahl. Die Namensgebung ist demnach trotzdem ein Beispiel fĂŒr die Tradition der Pietas. Pius V. setzte das Reform- und Gegenreformationswerk, das auf dem Konzil von Trient beschlossen worden war, fort, und zwar sowohl gegen die Protestanten als auch gegen die Muslime. Er finanzierte die katholische Koalitionsflotte, die die TĂŒrken in der Seeschlacht von Lepanto besiegte. Nicht nur fĂŒr diesen ersten wichtigen Sieg der Christen gegen die Osmanen und seine Frömmigkeit wurde er heiliggesprochen. Im Rahmen der Pietas erwies ihm jedoch erst Pius VI. wieder Ehre, damit besondere Ambitionen andeutend. Der Name Pius geriet bis dahin wieder rund 200 Jahre auĂer Gebrauch.
Pius VI.
Im Jahre 1775 wurde Giovanni Angelo Braschi Papst und nannte sich nach einer hundertdreiĂigjĂ€hrigen Serie von 14 PĂ€psten namens Innozenz, Alexander, Clemens oder Benedikt Pius VI. Er nahm das Werk Piusâ V. zum Vorbild und nahm in seinem Pontifikat eine ambitioniert anti-aufklĂ€rerische Haltung ein. Die Französische Revolution beendete seine lange, strenge Herrschaft, als der Kirchenstaat besetzt und die Römische Republik ausgerufen wurde. Er wurde nach Frankreich verschleppt und starb 1799 im Exil in Valence. Die RevolutionĂ€re glaubten und hofften, es habe sich um den letzten Papst der Geschichte gehandelt, und verspotteten ihn als âPius den Letztenâ. Sie tĂ€uschten sich.
Pius VII.
Die programmatisch konservative Frömmigkeit und sein tragisches Ende als peregrinus apostolicus machten aus Pius VI. fĂŒr die Katholiken fast einen MĂ€rtyrer. Sein 1800 im österreichisch besetzten Venedig gewĂ€hlter Nachfolger nannte sich darum bewusst Pius VII., wenngleich er, Theologe und Benediktiner, kein Kirchenjurist, offener fĂŒr moderne Ideen war als dieser. Auch er wurde spĂ€ter von den Franzosen aus Rom verschleppt. Er musste Napoleon Bonaparte 1804 zum Kaiser salben (Napoleon krönte sich selbst), stellte sich aber anschlieĂend gegen ihn. Nach dem Ende Napoleons und im Zuge der Restauration kehrte er nach Rom zurĂŒck und regierte von dort aus fĂŒr den Rest seines langen und ereignisreichen Pontifikats: Er fĂŒhrte aus Protest gegen Napoleons Besetzung des Kirchenstaates (Non possumus!= Wir können nicht (verzichten)) die moderne Gold-Silber-Flagge fĂŒr den Vatikan ein (die SchlĂŒssel Petri symbolisierend), wĂ€hrend vordem die heraldischen Kirchenfarben rot-gold waren (die des Kaisers schwarz-gold).
bis Pius XII.
Die lange Dauer beider Pontifikate und die Ereignisse, die sie prĂ€gten â bisweilen empfunden als Kampf der christlichen Weltordnung gegen die atheistische Revolution â, bewirkten, dass der Name Pius bei den PĂ€psten beliebt blieb und ihn zwischen 1774 und 1958 sieben von elf PĂ€psten trugen: neben den erwĂ€hnten Pius VI. und Pius VII. als dritter Pius VIII. im Jahre 1829, Pius IX. im Jahre 1846, Pius X. 1903, Pius XI. 1922 und Pius XII. 1939. Die KĂ€mpfe und die Philosophie Piusâ V. und Piusâ VI. sind dabei nicht der einzige Grund dieser erstaunlichen Serie. Ein Motiv ist auch hier wieder die Pietas. Pius VIII. bezog sich auf den âliberalen Politikerâ Pius VII., und so zu Beginn seines Pontifikats auch Pius IX. Diese waren im Ăbrigen wesentlich weniger streng konservativ als die zwei PĂ€pste jener Zeit, die nicht Pius hieĂen: Leo XII. und Gregor XVI. Leo XIII. bezog sich bewusst auf Leo XII., dessen Regime im Kirchenstaat er persönlich erlebt hatte, eingedenk seiner Jugendzeit, insbesondere des Heiligen Jahres 1825: Die Wiedererlangung des Kirchenstaats hatte fĂŒr den âmodernenâ Leo XIII. nĂ€mlich absolute PrioritĂ€t, auch wenn er dabei erfolglos blieb, wĂ€hrend es Pius X. wie seinem Vorbild Pius IX. mehr um die Seelsorge ging.
Die Kontroverse um Piusâ XII. Haltung wĂ€hrend des Zweiten Weltkrieges und die ZĂ€sur durch das Zweite Vatikanische Konzil wĂ€hrend der Amtszeit seines Nachfolgers haben den Namen Pius unvermittelt auĂer Gebrauch kommen lassen. Er wird nicht nur mit der Vorstellung eines konservativen und rĂŒckwĂ€rtsgewandten Papstes in Verbindung gebracht, sondern auch mit dem gesamten Kampf zwischen Kirche und der modernen sĂ€kularisierten Welt. Pius XII. selbst (obwohl er an die Prophezeiungen Malachias' nicht glaubte) sagte, er vermute, er sei der letzte Papst Pius. Darin kam eine Skepsis zum Ausdruck, ob die Kirche mit den bisherigen Methoden noch fortgefĂŒhrt werden könne, wie Jean Guitton berichtet. Hermann Hesse schien in seinem Roman Das Glasperlenspiel noch ein zukĂŒnftiger Papst Pius XV. naheliegend.
Entwicklung ab den 1950er-Jahren
Der Nachfolger Piusâ XII., der 1958 gewĂ€hlte Johannes XXIII. (Angelo Roncalli), belebte einen Namen neu, der seit Jahrhunderten nicht mehr verwendet worden war. Es handelt sich dabei sogar um den Namen und auch die âNummerâ eines einstigen Gegenpapstes. Zwar bestanden Zweifel, ob der frĂŒhere Johannes XXIII. Cossa tatsĂ€chlich illegitim war. Vermutlich wĂ€hlte aber der moderne Johannes XXIII., Roncalli, als ein erfahrener Kirchenhistoriker, den Namen bewusst, um damit zu betonen, dass der frĂŒhere sich unrechtmĂ€Ăig Papst nannte (und der Name daher als â23.â noch frei war).
Johannes XXIII. wĂ€hlte den Namen aber nicht in Anlehnung an einen frĂŒheren Papst Johannes, sondern direkt auf Johannes den TĂ€ufer bezogen. AuĂerdem hieĂ sein Vater Giovanni, dies ist die italienische Form des Namens Johannes. Die Namenswahl galt als kĂŒhn. Sein von ihm selbst sehr geschĂ€tzter Nachfolger Paul VI., dem er den Weg bereitete, hieĂ ĂŒbrigens mit bĂŒrgerlichem Namen Giovanni Battista Montini, weswegen man auch vermuten kann, er habe mit der Namenswahl dessen spĂ€tere Wahl begĂŒnstigen wollen.
Es gibt seitdem unter den Papst-PortrĂ€ts in S. Paolo in Rom zweimal Ioannes XXIII. (aber keinen XX.). Die historisch âkorrektesteâ Zahl fĂŒr Johannes XXIII. Roncalli wĂ€re wohl âJohannes XXI.â gewesen, jedoch werden frĂŒhere ZĂ€hlfehler mitunter ĂŒbernommen, so auch von Konzilspapst Martin V. (Der nĂ€chste Papst Johannes hĂ€tte die Wahl, ob er der zweite XXII. (bei Komplettkorrektur), der dritte XXIII. (bei Korrektur des fehlenden XX.) oder der erste XXIV. oder unter Rehabilitierung des Pisaner âGegenpapstes XXIII.â sogar der XXV. sein will.)
Paul VI. bezog sich, völlig ĂŒberraschend, auf den Völkerapostel Paulus. Er griff also mit dem Vorbild sehr âhochâ, wie es schon Paul II. tat, den die KardinĂ€le nur mĂŒhsam davon abhalten konnten, seinen bĂŒrgerlichen Namen Pietro (= Petrus II.) beizubehalten; beinahe wollte er sich dann âFormosus II.â nennen. Da von den sechs PĂ€psten Paul sich nur ânebenbeiâ Paul V. und Paul IV. auf Paul III. bezogen, dĂŒrften alle dieses Namens âirgendwieâ von der Kombination Peter und Paul ĂŒberzeugt gewesen sein.
Auch schon Paul II. und Paul III. haben auf die âgedankliche Kombinationâ der Namen der ApostelfĂŒrsten Petrus und Paulus angespielt, wie der II. Konzilspapst Paul VI. es tat. Einige Kommentatoren vermuteten, dass er sich nur deshalb nicht Johannes XXIV. nannte, weil Johannes (Giovanni) bereits sein Taufname war. Vor dem Ăkumenischen Rat in Genf 1969 bekundete Paul VI. allerdings sinngemĂ€Ă: âIch bin Petrus. Mein Name ist Paulus.â Das spricht fĂŒr die genannte âAnspielungâ, die vielleicht auch fĂŒr Paul V. eine Rolle spielte.
Johannes Paul I. und Johannes Paul II. bezogen sich auf mehrere VorgĂ€nger, Johannes Paul II. sogar auf drei. Pauls Nachfolger griffen damit die Sitte wieder auf, sich nach einem nahen VorgĂ€nger zu nennen: Johannes Paul I. bezog sich ausdrĂŒcklich auf seine beiden unmittelbaren AmtsvorgĂ€nger. Es kann hierin aber auch eine Hommage an die Stadt Venedig gesehen werden, in der er Patriarch war und in der es eine prominente Kirche namens Santi Giovanni e Paolo gibt. Er war der erste und bislang einzige Papst, der seinem neuen Namen bereits selber die I. anfĂŒgte. Ăblicherweise werden Ordnungszahlen erst ab dem zweiten NamenstrĂ€ger angefĂŒgt. Nach seinem plötzlichen Tod hoffte man auf einen ihm Ă€hnlichen Nachfolger. Die Zeitung Le Monde titelte schon am 10. Oktober 1978: âAuf der Suche nach Johannes Paul II.â, der am 16. Oktober mit Kardinal Wojtyla folgerichtig auch gewĂ€hlt wurde.
Benedikt XVI. wies zur BegrĂŒndung seiner Namenswahl explizit auf den heiligen Benedikt von Nursia und auf Papst Benedikt XV. hin (zum Beispiel in seiner ersten Generalaudienzcite-ref-3[3] und im Wort zum Weltfriedenstag 2006cite-ref-4[4]), der wĂ€hrend des Ersten Weltkrieges zum Frieden ermahnt hatte. Damit war zugleich eine âbescheidenereâ Namenswahl als bei den KonzilspĂ€psten Johannes XXIII. und Paul VI. verbunden.
Die Namenswahl von Franziskus wird von ihm selbst explizit als Berufung auf den heiligen Franz von Assisi verstanden.cite-ref-5[5] Franziskus ist seit Lando (913â914) der erste Papst, der einen neuen, nicht kombinierten Papstnamen gewĂ€hlt hat. Im Gegensatz zu Johannes Paul I. verzichtete Franziskus auf die BeifĂŒgung der Ordnungszahl I. und ist somit der erste Papst seit Lando ohne Ordnungszahl. Kurz nach der Wahl hatte Franziskus nach Angaben von Kardinal Loris Francesco Capovilla, einst SekretĂ€r Johannesâ XXIII., auch den Namen Johannes XXIV. in ErwĂ€gung gezogen.cite-ref-6[6]
Kriterien der Namenswahl
Ăber die GrĂŒnde, welche die einzelnen PĂ€pste veranlassten, einen bestimmten Namen anzunehmen, ist man natĂŒrlich nur zum Teil unterrichtet, zumal der Papst nicht verpflichtet ist, seine Motive zu verlautbaren. Sehr oft nimmt der Papst aus Dankbarkeit und zu Ehren eines VorgĂ€ngers dessen Namen an (âŠ) Dieselbe Ehrung wird oft dem Papst zuteil, welcher den neugewĂ€hlten Papst zum Kardinal oder Bischof gemacht oder ihn sonst gefördert hat. So bei Leo XIII., der ausdrĂŒcklich erklĂ€rte, er nehme den Namen Leo an in Erinnerung an Leo XII., dem er stets in Liebe und Dankbarkeit sich verpflichtet gefĂŒhlt habe; (âŠ) Nikolaus V. wĂ€hlte seinen Namen in dankbarer Erinnerung an seinen ehemaligen Herrn und WohltĂ€ter, den Kardinal Albergati; Sixtus IV., weil der Beginn des Konklaves, in welchem er gewĂ€hlt worden war, mit dem Feste des heiligen Papstes Sixtus II. zusammenfiel; Pius IV., weil er zu sein wĂŒnsche, was der Name besage; Gregor XIII., weil ihm einst am Feste Gregors des GroĂen der Purpur zuteilgeworden war; Sixtus V., um das Andenken des gleich ihm dem Franziskanerorden angehörenden Sixtus IV. zu erneuern. Pius IX. nannte sich nach Pius VIII., weil dieser, wie er seinerzeit Bischof von Imola gewesen war (âŠ) Dagegen erklĂ€rte der im Jahre 1590 erhobene Kardinal Castagna, er wolle einen alten Papstnamen tragen, und nannte sich Urban VII., ein Name, der seit ĂŒber 200 Jahren nicht mehr vorgekommen war.cite-ref-7[7]
Nicht ĂŒblich ist, wie bereits erwĂ€hnt, dass der Papst den Namen eines der zwölf Apostel oder der Evangelisten wĂ€hlt (Ausnahme: Papst Marcus, der seinen zivilen Namen behielt); der Papstname Johannes bezieht sich stets auf Johannes den TĂ€ufer. UrsprĂŒnglich behielten die PĂ€pste nach der Wahl ihren bĂŒrgerlichen Vornamen bei. Der erste Papst, der seinen Namen Ă€nderte, war Johannes II. im Jahr 533. Er hieĂ Mercurius und wollte als Papst nicht den Namen eines heidnischen Gottes tragen. Jedoch blieb die Annahme eines neuen Namens bis zum Ende des 1. Jahrtausends eine seltene Ausnahme.
Relativ hÀufig wÀhlte der Papst seit dem 16. Jahrhundert den Namen des Papstes, der ihn zum Kardinal erhoben hatte (siehe oben, Pietas). Eher selten wÀhlte ein Papst denselben Namen wie der unmittelbare VorgÀnger; dies aber in der Neuzeit bislang fast immer nur, wenn dieser ihn auch zum Kardinal erhoben hatte:
âą Clemens X. nach Clemens IX.
âą Clemens XIV. nach Clemens XIII.
âą In vorherigen Jahrhunderten folgten: Bonifatius IV. auf Bonifatius III. (608), Johannes VII. auf VI. (705), Gregor III. auf Gregor II. (731), Stephan II. auf Stephan (II.) (752), Benedikt VII. auf VI. (974, umstritten), Johannes XV. auf XIV. (985) und Johannes XVIII. auf XVII. (1003).
Der hl. Pius V. wĂ€hlte den Namen des VorgĂ€ngers Pius IV., obwohl er nicht von ihm zum Kardinal erhoben wurde und sogar unter ihm etwas âins Abseitsâ geriet. Man hat vermutet, dass Pi..o als fromme Anspielung auf âPi(etr)oâ (Petrus) im 16. Jahrhundert wiederentdeckt wurde, falls dies nicht schon Pius II. im Sinn hatte.
Auf den mittelbaren (2.) VorgĂ€nger bezogen sich Pius VIII., Pius X. und Pius XI.; [Pius IX. bezog seine Namenswahl auf Pius VIII., siehe oben], Leo XIII. bezog sich auf Leo XII., dessen Hl. Jahr er 1825 als 15-JĂ€hriger miterlebt hatte. Dieser bezog sich unmittelbar auf Leo I. den GroĂen, Leo XIV. bezog sich wiederum wegen seiner Sozialenzyklika auf Leo XIII. Gregor XIII. bezog sich wohl unmittelbar auf Gregor I. den GroĂen [siehe oben] und Clemens VII. auf Clemens I.
Auf weiter zurĂŒckliegende VorgĂ€nger bezogen sich zum Beispiel Sixtus V. (auf den IV., auch Franziskaner, siehe oben), Gregor XVI. (auf den XV., GrĂŒnder der Propaganda fide), Benedikt XIII. (auf den XI., auch Dominikaner), Benedikt XVI. (auf den XV. und den Hl. Benedikt), Benedikt XV. (auf den XIV., auch Erzbischof von Bologna und Papst), Innozenz XIII. (auf Innozenz III., aus derselben Familie) und Alexander VII. (auf Alexander III., auch aus Siena), Innozenz VIII. (auf den IV., auch aus Genua).
Aus frĂŒhkirchlicher Zeit wurden spĂ€ter insbesondere die Papstnamen Clemens, Alexander, Xystus (durch Sixtus IV.), Pius (durch Pius II.), Calixtus, Urban, Stephan, Innozenz, Bonifaz, Coelestin, Leo, Johannes, Benedikt und Gregor âaktiviertâ. Johannes wurde im 1. Jahrtausend deshalb so hĂ€ufig Papstname, weil sehr viele PĂ€pste mit zivilem Namen so hieĂen, den sie behielten.
Nummerierung der PĂ€pste
Ursprung
Im Jahre 257 trug Sixtus, der heute als Sixtus II. aufgefĂŒhrt wird, als erster Papst einen bereits zuvor verwendeten Namen. Dies geschah im Laufe der Zeit immer öfter. Mit Pelagius II. begann man bei zwei PĂ€psten des gleichen Namens, von denen einer kurz vor dem anderen geherrscht hatte, dem zweiten den Zusatz junior zu geben. Als es drei PĂ€pste des gleichen Namens gab, hĂ€ngte man an den Namen secundus junior an. Um angesichts dieses komplizierten Systems Verwirrung zu vermeiden, hĂ€ngte man ab Gregor III. (731â741) gelegentlich eine Nummer an den Papstnamen an. Auf offiziellen Dokumenten wurde dies aber erst ab dem 10. Jahrhundert zur Regel. Der Brauch entstand also ungefĂ€hr zeitgleich mit der obligatorischen Annahme eines Papstnamens. Ab Leo IX. (1049â1054) erschien die Nummer auch auf pĂ€pstlichen Bullen und auf dem Fischerring.
Die PĂ€pste, die vor der EinfĂŒhrung der Nummerierung geherrscht hatten, wurden aus praktischen GrĂŒnden im Nachhinein durchnummeriert. PĂ€psten, die einen nicht wieder verwendeten Namen getragen hatten, wurde dabei aber nachtrĂ€glich keine Nummer gegeben. Dennoch gab sich Albino Luciani 1978, als er Papst Johannes Paul wurde, bereits zu seinen Lebzeiten, bevor es einen Johannes Paul II. gab, die Nummer âder Ersteâ. Dies macht man auch in einigen heutigen Monarchien, wie in Belgien, wĂ€hrend in anderen eine Nummer nur verwendet wird, wenn es mindestens einen zweiten NamenstrĂ€ger gibt, wie in den Niederlanden.
Die GegenpĂ€pste, die vor der EinfĂŒhrung der Nummerierung gelebt hatten, wurden normalerweise nicht nachtrĂ€glich durchnummeriert. Ausnahmen sind Felix II. â der zwar nicht als legitimer Papst, aber lange Zeit fĂ€lschlicherweise als Heiliger angesehen wurde und deshalb noch lange auf den Listen gefĂŒhrt wurde â, sowie Bonifatius VII. und Johannes XVI., was Fehler bei der Nummerierung nachfolgender PĂ€pste gleichen Namens zur Folge hatte.
Die nach der EinfĂŒhrung der Nummerierung aufgetretenen GegenpĂ€pste folgten immer dem Brauch der Nummerierung, weil sie sich als rechtmĂ€Ăige PĂ€pste sahen. Da die Kirche sie aber nicht anerkennt, wurden ihr Name und ihre Nummer stets als noch unbelegt angesehen. Wenn ein spĂ€terer legitimer Papst diesen Namen annahm, nahm er auch die Nummer mit an, wodurch die spĂ€tere ârichtigeâ ZĂ€hlung den frĂŒheren Gegenpapst zusĂ€tzlich delegitimiert. WĂ€hrend des GroĂen Schismas herrschten zum Beispiel die GegenpĂ€pste Clemens âVII.â und Benedikt âXIII.â, Johannes âXXIII.â und Clemens âVIII.â, was spĂ€tere, legitime PĂ€pste also nicht davon abhielt, ebenfalls als Clemens VII., Clemens VIII. und Benedikt XIII. bzw. auch Johannes XXIII. zu regieren.
Nummerierungsfehler
Bei nĂ€herer Betrachtung der Liste der PĂ€pste fallen einige Anomalien bei der Nummerierung bestimmter Namen auf. Der GroĂteil davon geht auf GegenpĂ€pste zurĂŒck, die zu bestimmten Zeiten doch als legitim angesehen wurden, aber andere sind schlichte Fehler.
Bonifatius VII., Johannes XVI., Benedikt X. und Alexander V.
Wie beschrieben sieht die katholische Kirche die Herrschaft eines Gegenpapstes als null und nichtig an. Wenn also ein legitimer Papst spĂ€ter den Namen eines Gegenpapstes annimmt, nimmt er auch seine Nummer mit an. Die Nummern dreier GegenpĂ€pste wurden trotzdem nicht wiederverwendet: Bonifatius VII., Johannes XVI., Benedikt X. und (spĂ€ter) Alexander V. Die ihnen folgenden PĂ€pste des gleichen Namens nannten sich Bonifatius VIII., Johannes XVII., Benedikt XI. und Alexander VI. Es gilt dabei zu beachten, dass Alexander V. ein Papst aus Pisa wĂ€hrend des GroĂen Schismas war, und die UnrechtmĂ€Ăigkeit der Pisaer PĂ€pste war zu Alexanders VI. Zeit noch Gegenstand der Diskussion. Der Name eines anderen Papstes aus Pisa, Johannes XXIII. (1410â1415), wurde von Johannes XXIII. (1958â1963) erst fĂŒnf Jahrhunderte spĂ€ter angenommen, als die Kirche eine endgĂŒltige Position zur IllegitimitĂ€t der Pisaer PĂ€pste bezogen hatte.
Felix II.
Ebenso wird Felix II. heute als Gegenpapst angesehen. Felix III. und Felix IV. trugen zu ihren Lebzeiten keine Nummern, da dieser Brauch erst nach ihnen aufkam und sie rĂŒckwirkend nummeriert wurden. Es wĂ€re daher logisch, sie Felix II. und Felix III. zu nennen, wie es auch einige Listen tun. Da es aber spĂ€ter einen Gegenpapst Felix V. gab, wurden die Namen bei Felix III. und Felix IV. belassen.
Johannes XX.
Es gab weder einen Papst noch einen Gegenpapst namens Johannes XX. Als 1276 Pedro Julião unter dem Namen Johannes Papst wurde, gab es bereits zahlreiche VorgÀnger desselben Namens, die in den vielen kursierenden Listen jener Zeit unterschiedlich nummeriert waren. Die ZÀhlung des Gegenpapstes Johannes XVI. wurde von Pedro Julião nicht in Frage gestellt, jedoch wurden die Amts- und Gefangenschaftszeit von Johannes XIV. fÀlschlich als zwei verschiedene Personen dieses Namens interpretiert. Pedro Julião korrigierte somit einen vermeintlichen Fehler in der Nummerierung der PÀpste Johannes XV.-XIX. und nannte sich Johannes XXI. statt Johannes XX.
Martin II. und Martin III.
Es gab weder PĂ€pste noch GegenpĂ€pste namens Martin II. oder Martin III. Der Fehler wurde im Jahre 1281, als Simon de Brion Papst wurde und den Namen Martin annahm, gemacht: Man hielt zu Unrecht den Namen Marin(us) fĂŒr identisch mit Martin und fĂŒhrte die PĂ€pste Marinus I. und Marinus II. als Martin II. bzw. Martin III. auf. So wurde Simon de Brion zu Martin IV. Der Fehler wurde spĂ€ter fĂŒr die beiden PĂ€pste namens Marinus korrigiert, aber die falsche Nummerierung Martins IV. und spĂ€ter Martins V. hatte Bestand.
Stephan IX. oder Stephan X.?
Stephan (II.) wurde 752 gewĂ€hlt und starb unmittelbar darauf, noch vor der Weihe. Da damals die Inthronisation und nicht die Wahl den Amtsantritt eines Papstes markierte, wurde er sofort von den Listen gestrichen. Seine sieben Nachfolger desselben Namens trugen zu Lebzeiten keine Nummern, man fĂŒhrte sie aber im Nachhinein als Stephan II. bis Stephan VIII. Als 1057, nach EinfĂŒhrung der Nummerierung, ein neuer Stephan gewĂ€hlt wurde, nannte er sich natĂŒrlich Stephan IX. Ende des 16. Jahrhunderts begann man den frĂŒh verstorbenen Stephan doch als rechtmĂ€Ăig anzusehen und hĂ€tte eigentlich die folgenden PĂ€pste nun Stephan III. bis Stephan X. nummerieren mĂŒssen, obwohl der letzte schon zu seinen Lebzeiten die Nummer IX gefĂŒhrt hatte. Aber im pĂ€pstlichen Annuario Pontificio von 2008, das de facto eine offizielle Liste liefert, ist der erste Stephan (II.) wiederum, wie seit 1961 ĂŒblich, nicht aufgefĂŒhrt (vgl. ebd., FuĂnote auf S. 11) und seine Namensnachfolger sind als Stephan II. bis Stephan IX. gelistet, mit (je eine Nummer höher) Zusatzziffern in Klammern. In halboffiziellen Listen findet man beide Nummerierungen. Das gleiche Problem hĂ€tte sich aus sehr Ă€hnlichen GrĂŒnden bei einem weiteren, nur sehr kurz amtierenden Papst, Coelestin II., ergeben können, aber sein Ausschluss aus der Liste hat nie fĂŒr Widerspruch gesorgt (und ihn damit letztlich fĂ€lschlicherweise zum Gegenpapst gemacht). Da zu seiner Zeit die Nummerierung der PĂ€pste schon gang und gĂ€be war, nannte sich sein Nachfolger ebenfalls und selbstverstĂ€ndlich Coelestin II. Ein weiterer frĂŒh verstorbener Papst, Gregor XI., ist möglicherweise gĂ€nzlich eine Legende, und seine Nummer wurde vom rechtmĂ€Ăigen Papst Gregor XI. wiederverwendet.
Bisher vergebene Papstnamen
Die Liste der Annuario Pontificio zĂ€hlt von Petrus bis Leo XIV. 268 PĂ€pste. Dabei ist zu beachten, dass sie Benedikt IX. dreimal zĂ€hlt. Er wurde zum ersten Mal im Alter von etwa 20 Jahren Papst (das von Rodulfus Glaber angegebene Alter von 10 bis 12 Jahren gilt als unwahrscheinlich), wurde gestĂŒrzt, wurde erneut Papst, verkaufte seine WĂŒrde an Gregor VI., wurde noch einmal Papst, wiederum verjagt und exkommuniziert â um der Legende nach schlieĂlich Mönch zu werden und fĂŒr seine SĂŒnden BuĂe zu tun.
Ebenso zĂ€hlt die Liste Leo VIII. und Benedikt V. als legitime PĂ€pste, die jedoch zur gleichen Zeit regierten und Rivalen waren. Umgekehrt schlieĂt sie die PĂ€pste von Avignon und Pisa aus, die wĂ€hrend des GroĂen Schismas Gegenspieler der römischen PĂ€pste waren.
Die in der römischen Liste nicht gezĂ€hlten GegenpĂ€pste fehlen hier. AuĂerdem fehlen Johannes XX., Martin II. und Martin III., die es (je wegen eines ZĂ€hlfehlers) nie gab. Unter Beachtung dieser Besonderheiten gibt es daher 266 legitime PĂ€pste,cite-ref-8[8] die sich in folgender Weise aufteilen:
Ăbersicht der bisher vergebenen Papstnamen
Siehe auch
Bibliographie
âą B. U. Hergemöller: Die Geschichte der Papstnamen, MĂŒnster 1980
⹠Philippe Levillain (Hrsg.): Dictionnaire historique de la Papauté, Fayard, 2. Aufl. 2003, 1776 Seiten. (ISBN 2-213-61857-7; Erstauflage 1994.)
Einzelnachweise
cite-note-11. â Website des Vatikans zur Wahl Benedikts XVI. Abgerufen am 16. November 2009.
cite-note-22. â D. von Schad: Ăber Papstnamen. In: Allgemeine Rundschau Nr. 31 vom 6. August 1927, S. 492.
cite-note-33. â Generalaudienz, 27. April 2005. Abgerufen am 17. November 2009.
cite-note-44. â Botschaft zur Feier des Weltfriedenstages 2006. Abgerufen am 17. November 2009.
cite-note-55. â Welt: Jorge Mario Bergoglio aus Argentinien ist Franziskus. Abgerufen am 13. MĂ€rz 2013.
cite-note-66. â Kardinal: Papst wĂ€re fast âJohannes XXIV.â geworden. religion.orf.at, 13. MĂ€rz 2014, abgerufen am 17. MĂ€rz 2014
cite-note-77. â D. von Schad: Ăber Papstnamen. In: Allgemeine Rundschau Nr. 31 vom 6. August 1927, S. 492.
cite-note-88. â BronzefuĂ und eiserne Lady. In: Spiegel Online. Abgerufen am 18. November 2009.